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Welcher Sattel passt zu mir?

Nicht der Sitzknochenabstand entscheidet über den Sattel, sondern dein Becken: wie es auf dem Sattel steht und wie weit es rotieren kann. Das hängt davon ab, wo du den Kontakt spürst, von deiner Beweglichkeit und davon, wo es heute drückt. Vier Schritte, wie sie das Labor bei jeder Sattelberatung geht, und am Ende Form, Entlastung und Breite.

1. Wie beweglich ist dein Becken?
Aufrecht stehen, Beine gestreckt, Rücken gerade, Oberkörper langsam nach vorn. Wer weit kommt, rotiert das Becken auch auf dem Rad weit nach vorn; wer kaum über die Knie kommt, bleibt im Becken aufrecht.
2. Wo spürst du den Kontakt auf dem Sattel?
Nicht die Oberkörperhaltung zählt, sondern das Becken: Druck vorn an der Nase heißt, es ist nach vorn gerollt; flächiger Kontakt hinten auf den Sitzknochen heißt, es steht aufrecht, egal wie flach du vorn sitzt.
3. Wo drückt es heute?
Die Beschwerde verrät, wie dein Becken wirklich sitzt.
Deine Position auf dem Rad (nur als Hinweis)
Rad:
Eine lange, überhöhte Position zieht das Becken meist mit nach vorn, eine kompakte lässt es hinten sitzen. Meist, nicht immer: viele fahren flach mit aufrechtem Becken, andere aufrecht mit sauber gekipptem Becken.

Dein Sattel

Form
Entlastung
Neigung zum Start
T-Form
T-Mischform
V-Mischform
V-Form
Die Skala des Labors: Sitzknochenbelaster links, Schambeinbelaster rechts.

Schritt 1: Beckenbeweglichkeit

Beug den Oberkörper bei durchgestreckten Beinen und geradem Rücken nach vorn. Wie weit du kommst, zeigt, wie weit dein Becken rotieren kann. Wer im Stand stark vorrotiert, sitzt auch auf dem Rad vorrotiert; wer eingeschränkt ist, bleibt aufrechter im Becken. Das entscheidet über die Sattelform, lange bevor eine Breite zählt.

Schritt 2: Wie dein Becken auf dem Sattel steht

Je aggressiver eine Position, also länger und überhöhter, desto mehr zieht der Oberkörper das Becken nach vorn auf die Schambeinkufen. Je entschärfter, also kompakter und flacher, desto mehr sitzt du hinten auf den Sitzknochen. Das ist die Regel, aber sie gilt nicht eins zu eins: Manche fahren ganz flach mit extrem aufrechtem Becken, weil es sich gegen das Kippen wehrt oder weil der heutige Sattel jede Rotation bestraft; andere sitzen aufrecht und kippen das Becken trotzdem sauber. Darum fragt der Sattelfinder nicht nach dem Oberkörper, sondern danach, wo du den Kontakt spürst: vorn an der Nase heißt vorgerolltes Becken, hinten auf den Sitzknochen heißt aufrechtes Becken. Die Beschwerde bestätigt es: punktueller Druck auf den Sitzknochen heißt aufrechte Lage, Eindrücken im Damm heißt Rotation nach vorn.

Schritt 3: V-Form oder T-Form

V-Form-Sättel laufen nach vorn schmal zu und stützen das Becken in vorrotierter Lage unter den Schambeinkufen: für sportliche Positionen. T-Form-Sättel sind im hinteren Teil flächiger und geben dem Bein mehr Freiheit: für aufrechte Positionen. Die falsche Paarung erzeugt Druckspitzen, egal wie teuer der Sattel war.

Schritt 4: Aussparung

Aussparungen erlauben dem Becken, nach vorn zu rotieren, und entlasten gleichzeitig die sensible Sitzregion. Die Bandbreite reicht von kleinen Vertiefungen bis zu großen Cut-outs; je weiter dein Becken rotiert, desto mehr Entlastung braucht es.

Bevor du kaufst: die Sattelhöhe

Etwa die Hälfte der Menschen, die über Sattelprobleme klagen, brauchen keinen neuen Sattel, sondern eine andere Lage. Das häufigste Problem ist ein zu hoch eingestellter Sattel: Du verschiebst dich automatisch nach vorn, das Becken kippt zum Ausgleich, und der Druck verteilt sich an Stellen, an die er nicht gehört. Deshalb beginnt jede Sattelberatung im Labor mit der Position, nie mit dem Modell.

Und die Breite?

Die Breite ist Feintuning. Der Sitzknochenabstand allein sagt wenig, weil die Sitzknochen auf dem Sattel umso näher zusammenrücken, je weiter das Becken rotiert. Erst Form und Entlastung, dann die Breite dazu.

Was tun bei Druckschmerz vorn in sportlicher Position?+

V-Form mit großzügigem Cut-out, und die Sattelhöhe prüfen: ein zu hoher Sattel schiebt dich auf die Nase.

Was tun bei Druck auf den Sitzhöckern in aufrechter Lage?+

T-Form mit mehr kontaktaufnehmender Fläche. Die Sitzknochen wollen tragen, nicht auf einer Kante stehen.

Mein Sattel ist neu und tut trotzdem weh.+

Dann steht er meistens falsch: zu hoch, zu weit hinten, Nase zu weit oben. Ein paar Millimeter ändern mehr als ein neues Modell.

Sattel und Kurbel wirken nur in einer stimmigen Position.

Hol dir hier deine Grundposition aus deinen Maßen: Sattelhöhe, Nachsitz, Positionslänge, Überhöhung, und die Räder, auf denen sie sich am besten umsetzen lässt.

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